Protokoll der 16.Sitzung

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Zu Besuch in Pribyslav

Vom 8. – 11. Oktober 2013 war die Ernst-Frenkel-Friedenstaube zu Gast bei der 16. Sitzung der CTIF-Geschichtekommission und der 21.Tagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Feuerwehr- und Brandschutzgechichte. Die zuständigeVizepräsidentin des CTIF Marketa Strinkova und die Kommissionsmitglieder haben sich gerne mit der Friedenstaube porträtieren lassen. Sie unterstreichen damit den völkerverbindenden Gedanken des CTIF und seiner Feuerwehrhistoriker.

 

Friedenstaube für die Menschenrechte

2008 hat sich die UN-Erklärung der Menschenrechte zum 60sten Mal gejährt. Zu diesem Anlass hatte der Landshuter Konzeptkünstler Richard Hillinger hat unter der Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten 30 Friedenstauben geschaffen, für jeden der 30 Artikel der Resolution eine.

Die formgleichen, lebensgroß-naturalistischen Nachbildungen einer Taube erfordern als soziale Skulptur nicht nur das Engagement des Künstlers und eines öffentlichen oder privaten Auftraggebers.

Hier sind Gruppen (z. B. Schulen, Bürgerinitiativen, Belegschaften, Museen, Vereine oder aber auch Feuerwehren etc.) gefordert, den Gedanken, der hinter diesen Skulpturen steht, mit Leben zu erfüllen. Dazu gehört auch last but not least die Finanzierung der jeweiligen Taube, was eben auch ein deutliches Zeichen eines echten Engagements ist.
Als Erfinder des Gedankens einer sozialen Skulptur gilt Joseph Beuys, der zur documenta 82 am Rande von Straßen und Plätzen in Kassel 3.000 Basaltsäulen aufstellen ließ. Die Bürger der Stadt waren dann aufgerufen, neben jeder der Säulen einen selbst finanzierten Baum zu pflanzen, um das Klima in der Stadt zu verbessern. Die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig, die seit 1996 zur Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürger vor deren letzten frei gewählten Wohnsitzen verlegt werden, sind das wohl bekannteste Beispiel einer sozialen Skulptur.

Manche der von Richard Hillinger geschaffenen Friedens-Tauben tragen große Namen, wie z. B. die Albert-Einstein oder die Albert-Schweitzer-Taube. Gemeinsam mit Klaus Wegener, dem Stadtbrandinspektor und Leiter der Feuerwehr Lemgo hat sich der Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums (DFM) entschieden, die unter dem Patronat des DFM stehende Taube mit dem Namen von Ernst-Frenkel zu verbinden. Damit soll bewusst ein einfacher Feuerwehrkamerad geehrt werden, dessen Bereitschaft zur Nächstenhilfe auch vor dem Hintergrund persönlicher Verfolgung nicht gebrochen werden konnte.

Fortan wird die „Ernst-Frenkel-Friedenstaube für die Menschenrechte" ganz im Sinne des Feuerwehrgedankens der Nächstenliebe für Aktionen von Jugendfeuerwehren, Schulprojekten etc. zur Verfügung stehen. Sie hat ihren „Taubenschlag“ am DFM und kann dort bei Bedarf gerne angefordert werden.

 

Ernst Frenkel

Ernst Frenkel war ein ebenso bescheidener wie zuverlässiger Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr Lemgo/Deutschland. Schon sein im Januar 1934 verstorbener Vater Louis war 52 Jahre Mitglied dieser Freiwilligen Feuerwehr.

Doch Vater und Sohn waren nicht nur untadelige Feuerwehrkameraden, sie waren als Deutsche jüdischer Abstammung auf vielfältigen Ebenen in die örtliche Gemeinschaft integriert und ebenso angesehene wie beliebte Mitbürger ihrer Gemeinde.

Sein früher natürlicher Tod hat es Vater Louis erspart, den unsäglichen Rassenwahn der verbrecherischen NS-Diktatur in seinen zutiefst menschenverachtenden Auswüchsen erleben zu müssen. Sein 1906 geborener Sohn Ernst hat diesen bis zu seiner Ermordung 1943 im Warschauer Ghetto durchlitten.

1926 war Ernst Frenkel dem Beispiel seines Vaters gefolgt und in die FF eingetreten. Der pflichtbewusste Feuerwehrmann war rasch Mitglied der Mannschaft der Autospritze. Er hat nicht nur an nahezu allen Einsätzen teilgenommen, sondern sich auch bei den unliebsamen Arbeiten der Vor- und Nachbereitung engagiert. 1934 musste er aufgrund seiner jüdischen Abstammung ausgeschlossen werden.

Im Rahmen der Pogromnacht wurde Ernst Frenkel im November 1938 verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Selbst unter den unmenschlichen Lebensbedingungen eines KZ hat er den Hilfeleistungsgedanken der Feuerwehr weiterhin praktiziert. Bei einem Aufruf zum Zählappell konnte er nicht rasch genug reagieren, weil er einen gehörlosen Mithäftling darauf aufmerksam machen wollte. Ein Aufseher prügelte Frenkel aus der Baracke und rammte ihm dabei den Gewehrkolben mit voller Wucht ins Gesicht und zertrümmerte ihm den Unterkiefer. Frenkel war nicht mehr in der Lage zu sprechen und konnte nur noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. Verstümmelt und entstellt kehrte Ernst Frenkel noch einmal nach Lemgo zurück. Von dort wurde er 1942 deportiert.